Das Rezept gegen Arbeitskräftemangel:         Kooperation, Leistung und etwas Mut.

v.l. Markus Urban (ITD GmbH), Vanessa Gaul (Maschinenring Personaldienste GmbH, Ulrich Leypoldt (IZABB), Andreas Vorderhuber (IZABB), Hans Burner, Stefan Hoheneder – Vorabeiter stationäre Trägersysteme HA/

Schwerbehinderte Arbeitssuchende haben es im Flächenlandkreis Rottal-Inn immer noch deutlich schwerer einen Job zu finden als „normale“ Arbeitssuchende. Untersuchungen Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass bei ihnen die Jobsuche bis zu 30 Prozent länger dauert, wobei die vor allem neben den persönlichen Hemmnissen häufig mangelnde Mobilität, bzw. der von der Wohnung zu weit entfernte Arbeitsplatz, Grund für längere Suchdauer sind. Dadurch sind Schwerbehinderte sogar besonders überdurchschnittlich von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Andererseits sind die Unternehmen des Landkreises vom Arbeitskräftemangel betroffen. Das musste auch die ITD GmbH in Johanniskirchen bei ihrer Expansion und dem neuen Werk in Egglham feststellen. Die Rekrutierung geeigneter Mitarbeiter ist eine Herausforderung, bei der alle Ressourcen einbezogen werden müssen. Projekte wie die Initiative zum Abbau Beruflicher Barrieren (durch Mittel des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gefördert und von Jobcenter Rottal-Inn und Arbeitsagentur Landshut—Pfarrkirchen initiiert) sollen die strukturellen Nachteile des Landkreises ausgleichen oder gar ändern. Dass es möglich ist, Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung zu integrieren zeigt die gelungene Kooperation der IZABB mit der Maschinenring Personaldienste GmbH und der Firma ITD in Johanniskirchen.

 

Sowohl ITD als auch Maschinenring haben langjährige Erfahrung mit der Beschäftigung von schwerbehinderten Arbeitnehmern. Die Mitarbeiter der IZABB stehen beinahe seit Beginn des Projektes vor drei Jahren in Kontakt mit der Personalvermittlerin Vanessa Gaul vom Maschinenring, über die immer wieder Praktikas und Stellen ermöglicht wurden. Bundesweit leisten Personaldienstleister einen großen Beitrag zur Integration von Schwerbehinderten in Arbeit. Sie dienen als wichtige Vermittler, die immer wieder bei zukünftigen Arbeitgebern Vertrauen in den Arbeitnehmer schaffen können. Doch beim aktuellen demographischen Wandel ist der häufigste Grund, die im Laufe des Lebens erworbene Schwerbehinderung. Bei der ITD Johanniskirchen arbeiteten im Laufe der letzten 10 Jahre ca. 15 schwerbehinderte Mitarbeiter zum Teil auch in Führungspositionen. Herr Urban von der Personalabteilung der ITD bestätigte, dass die Erfahrungen mit diesen Mitarbeitern durchwegs positiv auf Grund hohem Durchhaltevermögens und einer positiven Einstellung zur Arbeitsstelle sind. Der im aktuellen Beispiel über den Maschinenring ins Haus gekommene Herr Burner, einer der 12 im Projektzeitraum in Arbeit vermittelten Teilnehmer des Projektes IZABB, habe sich sehr bewährt und sei inzwischen vollständig im Team integriert, so dass eine Übernahme in die Stammmannschaft angestrebt werde. Gerade die teamorientierte Arbeitsumgebung und die individuellen Aufträge mit kleinen Stückzahlen führten bei den Arbeitnehmern zusätzlich zum allgemein guten Betriebsklima im expandierenden Unternehmen zu großer Zufriedenheit. Dass das so bleibt, begründet sich unter anderem in der intensiven Einarbeitungsphase, in der neue Mitarbeiter, die umliegenden Abteilungen und deren Arbeitsabläufe genau kennenlernen. Neben der Berücksichtigung von Direktbewerbungen schwerbehinderter Menschen nutzt die ITD auch Integrationsmaßnahmen von Arbeitsagentur oder Reha-Maßnahmeträger, um über Praktikum und Probearbeitsbeschäftigung potentielle Mitarbeiter kennenzulernen und für die Arbeit im Betrieb zu begeistern. Nur so konnte der immense Aufbau von über 30 zusätzlichen Arbeitsplätzen im Jahr 2018 geschafft werden. Weitere Stellen sind auch auf der Webseite itd-card.com ausgeschrieben. Trotz aktueller Konjunktur sind leider in 2018 leicht gestiegene Zahlen von langzeitarbeitslosen Schwerbehinderten im Landkreis zu verzeichnen. Noch immer bestehen die strukturellen Hindernisse Mobilität und Wohnungsmarkt im Landkreis besonders für Schwerbehinderte Arbeitssuchende. Deshalb gibt es für die Akteure auf dem Arbeitsmarkt keinen Grund sich zufrieden zurückzulehnen. Im Gegenteil, so lange ein Arbeitskräftemangel die Situation begünstigt, müssen alle Anstrengungen unternommen werden, auch Schwerbehinderten mit Arbeitsplätzen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.